So, wie versprochen hier der zweite Teil des Wochenendes in Togo. Der Samstagmorgen begann französisch mit unglaublich leckeren Crossaints in einer schicken Croissanteria. Eines der vielen Überbleibsel französischer Kolonialherrschaft. Übrigens Rauchen und Weintrinken sind hier auch sehr beliebt, ganz im Gegenteil zu Ghana.
Nach dem petit dejeunér haben wir uns dann zu Fuß in Richtung Hauptmarkt aufgemacht, der sich in allen Seitengassen um die Kathedrale erstreckt. Der krasse Unterschied zu allen Märkten in Ghana, die ich gesehen habe, war offensichtlich: Es wurde weder geschrieen, noch gezerrt, gezischt oder gedrängelt. Selbst die Marktfrauen und Händler waren laid back, so relaxed. Sehr seltsam. Und obwohl es in Ghana mehr Weiße gibt, als in Togo, haben wir hier kaum Obroni-Schreie gehört. Eine sehr angenehme Atmosphäre also, die von den schattigen Alleen noch unterstützt wurde. Nach einem anstrengenden Sandalenkauf mit wirklich schweißtreibendem Feilschen (Resultat: Halber Preis, das hat sich doch gelohnt) sind wir dann zum Stadtstrand marschiert, der wirklich sehr schön war, obwohl der Eingangs-Palmenstreifen als öffentliches Klo genutzt wurde. Hier haben wir uns ein bisschen ausgeruht und 5 Sekunden nach dem sich-in-den-Sand-Setzen kamen die ersten seltsamen Gestalten, die um uns herumlungerten. Nach 10 Minuten haben wir dann auch den Hinweis im Guidebook gelesen, dass man Lomé-Stadtstrand meiden sollte. Stattdessen ging es ins einzige Luxushotel der Stadt, wo wir einen frechen Cocktail am Pool auf der Dachterrasse genossen haben. Danach wollten wir eigentlich noch weiter durch die Stadt laufen, doch es kam uns ein Zufall dazwischen, der unsere weitere Planung bestimmen sollte.
Unten in der Hotellobby fiel Andrews Aufmerksamkeit auf eine junge weiße Dreadlock-Frau mit einem grünen Band-T-Shirt. Die beiden kamen ins Gespräch, da Andrew die Band persönlich aus Ashville kennt. Heraus kam, dass sich die beiden auch über 2 Ecken kannten und praktisch den gleichen Freundeskreis haben. Zufälle gibt’s. Sie ist jedenfalls Konzert-Promoterin und organisiert Konzerte und Shows in Togo für ein Jahr. Durch sie sind wir dann telefonisch an einen Freund, Maurice 32 aus Togo, geraten, der für die nächsten 48 Stunden unser persönlicher Chaffeur war. Wir hatten also einen klapprigen Zweier-Golf aus ehemals Dortmund mit dickem Allianz-Aufkleber auf dem Lenkrad. Sehr skurill. Und statt weiterer Stadtbesichtigung sind wir dann mit Maurice zum Fetisch-Market, einem der größten Voodoo-Märkte in Westafrika gefahren. Voodoopraktiken werden viele von euch eher aus Haiti kennen, ja das ist richtig. Dabei muss man bedenken, dass Haitianer ehemalige Westafrikaner aus Togo und Benin sind. Voodoo kommt also aus Togo und Benin.
Am Fetisch-Markt angekommen, haben wir dann eine private Führung bekommen und haben gelernt, dass man gemahlene Leopardenköpfe zu sich nehmen soll, wenn man ein besserer Sprinter werden möchte, oder ein Gemisch aus gehächselten Affenschädeln und Hundeköpfen zur Verbesserung der allgemeinen Intelligenz. Und dann gab es natürlich sehr viele Mittelchen für die Steigerung der Potenz oder zur geheimen Überzeugung der Angehimmelten. Wirklich sehr sehr sehr skurill, zwischen Köpfen von Raubkatzen, Krokodolen, Affen, Katzen, Hunden, Giraffen und Elefantenfüßen zu stehen. Es wurde noch skurriler. Nach der Führung wurden wir in die Hütte des obersten Voodoo-Meisters verfrachtet, wo wir zwischen Hühnern und eingesperrten riesigen Bisamratten, die elendig vor sich her quietschten, auf Mini-Bänken sitzen mussten. Der Voodoo-Guru erklärte uns die fünf wichtigsten Alltags-Fetische und gab sie uns jeweils in die Hand, sodass wir sie auch schön kaufen sollten. Der erste Fetisch war für Glück im Leben (eine Halskette), der zweite für sichere Reisen (ein Bambus-Hölzchen mit Teer), der dritte für gute Erinnerung (eine getrocknete Frucht), der vierte für gute Hausgeister (ein zusammenbetoniertes Steinhäufchen) und der letzte Fetisch für Potenz und Ausdauer im Bett (ein langes Holzstück, dass angeblich die Inhaltsstoffe für Viagra geliefert hat). Jeder von uns hat mindestens einen Fetisch gekauft. Die witzigste Situation war folgende. Alle hatten innerhalb von circa 10 Sekunden entschieden, welchen Fetisch sie mit nach Hause nehmen sollten, die restlichen sollte man in eine kleine Schüssel vor sich legen. Als wir hochschauten saß James in folgender Position: Beide Hände ausgestreckt vor der Brust, in der einen Hand den Fetisch für allgemeines Glück im Leben haltend, in der anderen Hand das Viagra-Hölzchen. Und man sah im die Zwickmühle an, in der er sich befand. Er konnte sich einfach nicht entscheiden, bis der Voodoo-Meister schließlich angemerkt hat, dass allgemeines Glück wichtiger sei und ja auch irgendwie das andere einschließen würde. James hat deswegen auch nur den Glücks-Fetisch gekauft. Sehr witzige Situation. Beim Verlassen des Marktes ist es den aggressiven Voodoo-Frauen dann noch gelungen 3 Affenschädel an den Mann zu bringen, genauer gesagt, an Dave, Andrew und James – an alle 3 Amerikaner also, die das sooooo creepy und coool fanden, ich fand es allerdings saudoof! Das wird auch am Flughafen beim Zoll auffallen. Tja Pech!
Nach dem Voodoo-Markt sind wir dann zum Lac du Togo, dem größten See Togos aufgebrochen und haben dort in einem Strand-Resort mit Rundhütten geschlafen. Es gab reichlich Wein, eine giftige Schlange im Sand, auf die der Besitzer circa 27 mal getreten ist, bevor sie es geschafft hatte und Ekel-Spaghetti mit Fischsoße (genau das richtige wenn man einen Riesen-Hunger hat). Ansonsten war es dort aber unglaublich ruhig, wieder genau das Richtige nach fast zwei Tagen afrikanischer Großstadt.
Nach dreistündigem afrikanischen Warten auf Maurice am Sonntagmorgen sind wir dann unwissend mit ihm in seine Heimatstadt gefahren, Anèho, die ehemalige traditionelle Hauptstadt Togos, die gleichzeitig schon Grenzstadt zu Benin ist. Unglaublich, dass Togo nur 55 km Küstenlinie hat. Togo zu durchkreuzen, um von Ghana nach Benin zu gelangen dauert also nur eine Stunde. In Aného war Festtag. Der Dorf-Chief und gleichzeitige König des traditionellen Togos hatte sein Dienstjubiläum und hunderte waren aufgebrezelt im Zentrum unterwegs, zur Enthüllung einer Statue und anschließendem Festzug zum Haus des Königs. Unter anderem waren auch Botschafter, einige Minister und sonstige VIPs Togos zugegen. Peinlich für uns war zu allererst: Wir waren nicht eingeladen. Daneben war unser Aussehen extrapeinlich. Dreckige T-Shirts, kaputte Flip-Flops und sandige Füße. So haben wir dann die amtierende Miss Togo 2007 erspäht und haben es uns als eingeschriebener Junggesellenausflug natürlich nicht nehmen lassen sie zu einem gemeinsamen Foto zu nötigen. Ergebnis und andere Fotos gibt es wie immer hier: http://picasaweb.google.de/unkenzucht. Seltsamerweise fehlte Miss Togo neben einem Zahn auch scheinbar ein funktionierendes Gehirn. Gemein, aber ihr hättet sie sehen sollen, herrlich. Sie, ihre Schwester und ihr Manager waren jedenfalls nicht so angetan von uns, aber ich wäre es auch nicht gewesen, aber ich bin ja auch nicht Miss Togo 2007…..noch nicht! Hahaha. Es wurde allerdings noch peinlicher. Maurice bestand darauf, dass wir den König persönlich treffen sollten und ihm die vorher gekaufte Flasche Schnaps zu überreichen (Schnaps sagt man übrigens überall, die Amis und die Kanadier sagen das, in Ghana und in Togo auch und in Vietnam konnte man auch Schnapps kaufen, nur so nebenbei). Dazu mussten wir im Festzug mitmarschieren und wurden in einer Masse mit zum Königshaus geschoben. Am Eingang mussten wir von kritischen Blicken gemustert unsere Flip-Flops ausziehen und barfuss weiterlaufen. Ab diesem Zeitpunkt haben wir Maurice gebeten doch bitte zu gehen, weil uns die Situation peinlich war. Aber er bestand darauf und auch Quentin drängte uns, sich doch nicht so anzustellen. Der Weg zum König war weit, man musste zahlreiche Innenhöfe und Tore passieren. Je weiter wir vordrangen, desto deutlicher wurde der Widerstand gegenüber 5 schmutzigen Obronis, die nicht mit der Situation zu tun hatten. Hochrot wurden wir dann nach 1 Stunde Wartezeit in den Königshof geschoben, wo wir nach einem kurzen Handschütteln mit seiner Königlichkeit, die wenig begeistert schien, der Geschenkübergabe an einen Diener, und einem Foto wieder hinausgeschoben wurden. Beim Hinausgehen schrieen einige Angestellte auf Französisch: „Nur weil sie weiß sind? Das ist eine Beleidigung für den König, was soll das? Und nur weil sie darauf bestanden haben!“ Ultrapeinlich, ich hatte selten so einen roten Kopf. Nach diesem peinlichen Intermezzo haben wir dann Andrew, James und Quentin an der Grenze zu Benin abgeliefert. Dave und ich mussten wieder nach Accra, da wir Montagmorgen Kurse an der Uni hatten. Zurück in Lomé sind wir dann zu Al Donalds gegangen, einem billigen Abklatsch von McDoof. Sehr witzig und der Burger war gar nicht mal so schlecht. Dave hatte jedenfalls seine Portion Heimatgefühl. Die Rückfahrt nach Accra war dann furchtbar, 5 Stunden TroTro und 278 Polizei-Checkpoints. Und immer hieß es: Alle aus dem TroTro raus, Passkontrolle, Suche nach Schmuggelwaren. Daves Affenschädel wurde nicht gefunden. Schade. Um halb 11 abends war dann Home sweet Home angesagt, man fühlt sich schon richtig zu Hause in Accra, wahnsinn, aber schön.
Das war’s mal wieder von mir. Bald gibt’s den schriftlichen Nachtrag zu den Regenwald-Fotos, die ich heute hochgeladen hab. Da gibt es wie immer auch einiges zu erzählen. Viele Grüße und fleißig weiterlesen. Yebeyhia sage Ich.
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