Dienstag, 25. September 2007

TOGO (Part I) – Accra-Aflao-Lomé-Lac du Togo-Aného-Lomé-Accra 14.-16.09.2007

Togo, Ghanas Nachbarland im Osten, war unser nächster Wochenendtrip und entpuppte sich als echter Junggesellentrip. Mit Andrew, Quentin, Dave und James war die Gruppe auch zum ersten Mal nicht so groß, eine angenehme Reisegröße also. Da niemand wusste was uns erwarten würde und wir auch keine eigentliche Anlaufstelle in Togo hatten, ließen wir uns ganz vom Zufall treiben. Da Europäer für jedes westafrikanische Land ein Extra-Visum beantragen müssen war unsere erste Aufgabe dieses bei der togolesischen Botschaft in Accra zu ergattern. Quentin hatte das schon ein paar Tage vor uns gemacht und gesagt es sei kein Problem oder ein sonderlich großer Kraftakt. Pustekuchen. Nach einer guten Stunde Suchen hatten wir die Botschaft gefunden und beschlossen ein Mastervisum der Entente zu beantragen Das ist ein Sammelvisum für Togo, Benin, Elfenbeinküste, Burkina Faso und Niger, 5 französischsprachige Länder in Westafrika. Nach einem endlosen Papierkrieg war es geschafft, fast. Nun mussten wir nur noch den zuständigen Ambassadeur, der gar nicht der Botschafter war in seinem Büro aufsuchen und um die Erlaubnis bitten, Togo besuchen zu dürfen. Im Büro fanden wir einen zeitunglesenden Mitdreißiger mit grimmigem Gesicht vor, der uns keines Blickes würdigte. Um die Spannung zu brechen sagte Dave so was wie: Hey Buddy, what´s up today, you feel fine, wow hey, nice office, fancy, so yeah we´re here!” Danach folgte filmreifes Zeitlupenweglegen der Zeitung und noch fiesere Fresse von Mitdreißiger. Das war zuviel für ihn und auch ich fand es völlig unpassend von Dave, übertrieben und peinlich. Die erste Frage seinerseits war: Was wollt ihr denn mit den togolesischen Frauen machen übers Wochenende? (Kein Scherz). Dann beschuldigte er uns, dass wir nur den Stempel im Pass haben wollten und nicht wirklich interessiert an Togo und dessen Geschichte seien, anderseits hätten wir ja nicht das Mastervisa beantragt. Danach erklärte er uns warum er die internationalen Legon-Studenten, also uns inklusive, so hasse, sie haben ihn und sein Land beleidigt und sein Volk über Jahrhunderte gequält und erniedrigt, gemeint war sicher der weiße Mann allgemein. Wir waren jedenfalls mehr als verstört. Das Ende vom Lied war dann, das wir für ihn Geld wechseln fahren mussten, Ghana Cedis in Westafrikanischen Franc, als kleinen Dienst für seine Stempel-Handbewegung in unsere Reisepässe – Arschloch (Entschuldigung, aber er war ein riesengroßes). Gott sei Dank waren alle Togolesen in Togo selbst mehr als freundlich.

Zum Trip: Es passierten wieder mehr als seltsame Zufälle mit denen niemand gerechnet hätte. Dazu später. Zunächst mussten wir (Andrew, Dave, James und ich, Quentin kam erst Samstag morgen an) ein 3-Stunden TroTro von Accra nach Aflao, dem Grenzposten auf ghanaischer Seite, nehmen, da wir den letzten komfortablen STC-Bus um ganze 7 Minuten verpasst hatten. Es war also Beinabsterbezeit. Juchhu. In Aflao angekommen mussten wir dann weitere Formulare ausfüllen und dann zu Fuß über die Grenze gehen. Lomé, die ehemalige Perle Westafrikas, und 700.000 Einwohner Hauptstadt Togos liegt bequemerweise direkt hinter der Grenze und so ist die Grenzüberquerung auch sogleich Lomés Stadtgrenze. Schlimm war die Grenze besonders für James und Dave, da sie innerhalb von 200 Metern, plötzlich mit ihrem Englisch gar nichts mehr anfangen konnten und ziemlich hilflos und seltsamerweise ängstlich waren. Ich warf mich dafür sofort ins Beste Französisch, was gar nicht so schlecht war, ich konnte sogar mit dem Taxifahrer um den Fahrpreis feilschen. Das vom F*****g Lonely Planet empfohlene Billighotel „Hotel du Boulevard“ war eine echte Absteige und mit 6000 CFA pro Doppelzimmer (ungefähr 10 Euro) nicht gerade billig. Dafür gab es unbearbeitete Betonwände, einen kaputten Ventilator, Eimerdusche und Ekelklo, gut aber wir wollten ja nicht dort einziehen. Pluspunkt war die gute Lage auf der Hauptgeschäftstraße. Lomé war einst die mondäne Stadt in Westafrika, schöne Strände und schicke Hotels, breite Alleen, ein tolles Kultur- und Nachtleben. Die schweren Unruhen in den 90er Jahren haben nicht nur zum heutigen Aussehen der Stadt beigetragen, sondern auch den Ruf der Stadt beschädigt. Trotzdem ist Lomé noch immer einen Ausflug wert und ich habe es als angenehmer empfunden als Accra. Zwar ist es mit fast einer Million im Umkreis nicht gerade klein, wirkt aber nach ein paar Wochen Accra-Moloch ziemlich kompakt. Die Hauptstraße umzingelt die Innenstadt wie ein Halbkreis und startet und endet jeweils an der Strandpromenade. Auf der großen Straße reihen sich Alu-Hochhäuser der großen Landesbanken und Konzerne aneinander. Sternförmig strahlen von dieser kleinere Alleen in Richtung Grande Marchée, dem Hauptmarkt Lomés und ganz Togos. Nach einem ersten Spaziergang und dem ersten Togo-Bier, dass zum Erstaunen DEUTSCH war (Eku-Pils aus Bayern gebraut in Lomé), haben wir uns dann zum Abendessen in einem schicken Restaurant gegenüber dem französischen Kulturcenter niedergelassen und weitere Bier genossen. Die Speisekarte war Krombacher und im Hintergrund lief Deutsche Welle TV. Wahnsinn, dass so lange nach der deutschen Kolonialherrschaft die Einflüsse noch so offensichtlich sind. So haben Restaurants oder Bars deutsche Namen, Straßen heißen Rue de Leipzig oder Boulevard du Stutgard und die deutsche Botschaft ist größer als andere Botschaften. Eventuell hat die deutsche Regierung auch eine besondere Verantwortung für Togo. Das ist zum Beispiel der Fall Deutschland und Namibia, wo heute noch Gelder zur Wiedergutmachung gezahlt werden. Soweit ich Togolesen gefragt habe, sind die Deutschen aber sehr beliebt im heutigen Togo, da sie viel für die Verbesserung der Infrastruktur im Land beigetragen haben. Den Haupteinfluss auf den kleinen 5-Millionen Vielvölkerstaat hatten aber die Franzosen. In Togo gibt es über 40 verschiedene Ethnien, die zum Teil ihre eigene Sprache sprechen. Hauptsprache ist aber Ewe, dass auch in der Volta-Region Ghanas gesprochen wird. Die Ewe lebten in der heutigen Grenzregion zwischen Ghana und Togo. Ihr Land und ihr Volk wurden von den europäischen Kolonialherren in der Mitte geteilt, der westliche Teil fiel zur englischsprachigen Goldküste, dem heutigen Ghana und der östliche Teil zum französischsprachigen Togoland. Viele Ewe haben heute noch Verwandte im jeweiligen Nachbarland.

Nach dem Abendessen und einer extrem lauten Hip-Life-Bar sind wir dann in einem schicken Jazz-Club gelandet, der wirklich außergewöhnlich gut war. Die Band war extra-Klasse, der gute Tropfen trockener Rotwein war genau das Richtige und der Abend endete mit einer Moto-Taxi-Heimfahrt für 200 CFA (umgerechnet 40 Cents) auf klapprigen Mofas, dem Hauptverkehrmittel in Lomé.

So das wars mit dem ersten Togo-Teil. Im zweiten geht es heißer zur Sache. Es gibt Voodoo, Schlangen, ein extrem peinliches Erlebnis und das Treffen zwischen 5 stinkenden schwitzenden Obronis und Miss Togo 2007. Also die Tage reinschauen uns lesen. Grüße soweit Mitch….

PS: Morgen lade ich grandiose Fotos aus dem tropischen Regenwald hoch, wo wir letztes Wochenende mitten im Wald geschlafen haben…

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