Was für ein Wochenende. Freitagmorgen ging es mit dem TroTro in Richtung STC-Station Accra, der zentralen Umsteigestation für Überlandfahrten mit großen Bussen. Die Strecke Kumasi-Accra, also die Verbindungsstraße zwischen Ghanas größten Städten ist zwar nur 290 km lang, aber hier dauerte das ganze 6 Stunden. Ich hatte das Vergnügen mit David, Jenny V und Andrew in der ersten Reihe sitzen zu dürfen und das war schon Abenteuer genug. Ganz nach dem Motto „Ich bin größer also brems du“ überholte der Busfahrer in allen Kurven, an unübersichtlichen Steigungen, überall, was zur ein oder anderen Schocksekunde bei uns, nicht aber bei ihm führte. Nach der dritten haarsträubenden Aktion hat sich unsere Angst aber in Unterhaltung umgewandelt. Trotzdem werde ich nicht noch mal in der ersten Reihe fahren.
Das Highlight der Fahrt war aber das Brotdorf, ein Dorf, oder eine Kleinstadt, in der wirklich alle Bewohner an der Straße standen und Weißbrot zu verkaufen hatten. Alle. Das sah so lustig aus, sodass wir das Dorf Breadville getauft haben und danach stundenlang schlechte Wortwitze gerissen haben. Kleine Kostprobe: Was ist das meistgelesenste Buch in Breadville? The Great Breadsby! Oder: Was ist Breadvilles Lieblingsfilm: Alien vs. Breadetor. Haha, es ging weiter mit Bread Pitt oder Breadney Spears, den Rest kann man sich vorstellen, hab jedenfalls selten so gelacht.
In Kumasi angekommen mussten wir dann wirklich die komplette Stadt nach Guesthouses abklappern, bis wir schließlich eins gefunden hatten. Kumasi ist Ghanas zweitgrößte Stadt mit schätzungsweise 1,5 Millionen Einwohnern und man sagt es ist die heimliche und vor Allen kulturelle Hauptstadt des Landes. Es ist außerdem die Hauptstadt des Ashanti-Reiches und deshalb der Sitz des Ashanti-Königs, der auch heute noch eine große Rolle im politischen Alltag Ghanas spielt. Die Menschen dort waren auf jeden Fall freundlicher und gelassender als die hektischen Accraer. Wir sind natürlich sofort auf den Kejtija-Markt gegangen, den mit Abstand größten Markt Westafrikas und einem der größten des Kontinents. Er ist unglaublich groß, größer als 15 Fußballfelder. Die Ashanti sagen, dass man hier alles kaufen kann, mit Ausnahme von Flugzeugen und Öltankern. Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis gewesen sich in das unglaubliche Gewusel von Menschen und Waren zu bewegen. Es wurde geschubst, gedrängelt, gegrapscht, geschrien, nach einer halben Stunde hatten wir genug. Stattdessen ging es in National Cultural Centre, ins kleine aber äußerst interessante Ashanti-Museum. Danach gab es eine kostenlose Tanzperformance zur ghanaisch-indischen Kulturwoche. Die afrikanischen Rhythmen waren äußerst genial (siehe Fotos von Kumasi), die indische 2-stündige Kreischeinlage war aber kaum zu ertragen. Die Tänzerin hat ihren Tanz ständog abgebrochen, weil sie unzufrieden war und hat dann ins Publikum geschrieen, dass es eigentlich anders aussehen sollte und der Takt „Ka-Chi-Ka-Ka-Chi-Ka-Chi-Ka-Ka-Chi“ ist. Schrecklich. Danach haben wir uns im hippen Funkies zu Livemusik betrunken und haben super Schüttelfotos gemacht. Spezialalbum mit Schüttelfotos folgt.
Nach nur 1 Tag hatten wir dann aber schon genug vom quirligen Kumasi, besonders wenn man vorher 3 Wochen im noch quirligeren Accra unterwegs war und es zog uns in Richtung Natur pur, zu Ghanas größtem natürlichen See - dem Lake Bosumtwi. Das ging mit einstündiger TroTro-Fahrt nach Kuntanase und anschließender einstündiger Taxifahrt zum Geheimtipp-Guesthouse am Seeufer, dem Rainbow Garden Village, total ab vom Schuss aber ein unglaubliches Paradies. Steffen aus Freiburg hat es vor zwei Jahren aus dem Nichts geplant und gebaut und wohnt jetzt mit Belinda, seiner Frau, dort. Es gibt 12 Zimmer, eine Bar, ein Volleyballfeld am Wasser, Tischtennis und Erholung pur. Es war wirklich traumhaft und für 6 Euro pro Nacht - wow! Schwimmen waren wir auch, das Wasser ist glasklar und es gibt weder Bilharziose, noch Krokodile. Abends haben wir mit zwei Einheimischen ein großes Feuer gemacht, haben getrommelt und ein Rastafari hat Geschichten erzählt bis in die Nacht.Der See ist fast kreisrund und hat einen Durchmesser von 10 km. Umgeben von 400 m hohen Bergen und mit tropischen Pflanzen übersät gab es natürlich auch jede Menge Getier und Gewürm. Und wie es der Zufall so wollte haben sich kurz vor der Nachtruhe zwei riesige Spinnen über meinem Bett gemütlich gemacht, von denen Belinda behauptete, sie seien giftig. Die Spinnen waren jedenfalls um ein vielfaches größer, als alles was ich bisher gesehen habe. Andrew hat ein Foto mit seiner Hand als Vergleich gemacht, das lade ich noch hoch. Hab jedenfalls eine nicht so gute Nacht gehabt, oben im Hochbett liegend mit 20-cm Abstand zur Decke und undichtem, löchrigem Dach. Aber habe es Gott sei Dank ueberlebt. Wir werden aber trotzdem nochmal dorthin fahren und das ganze Resort fuer uns reservieren. Das wird bestimmt toll...so das wars nochmal von mir, die Tage gibts nochmal ein Uni-Update Neues vom Chaos-Wochenende in Cape Coast und Elmina. So long, machts gut...
Sonntag, 9. September 2007
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1 Kommentar:
Hello Michi!
Wie oft hast du in diesem Abschnitt das Wort groß verwendet!Na ja du warst ja schon immer ein Übertreibungskünstler!Herrlich!
Hoffe dir gehts gut!
Bussi
Joanna(die Eule)
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