Hallo alle zusammen, es ist ja schon wieder eine kleine Weile her, dass ich mich gemeldet habe. Grund war eine 11-tägige Reise nach Burkina Faso. Es war fantastisch und anstrengend und ich habe viel zu erzählen. Da ich aber eine Woche Uni verpasst habe muss ich jetzt zwei Tage arbeiten und werde dann Donnerstag und Freitag was reinstellen.
Dienstag, 6. November 2007
Zurück aus Burkina Faso
Donnerstag, 18. Oktober 2007
Kleine ghanaische Preiskunde + Was bekommt der Michi denn hier zu essen…???
Ein Euro ist ungefähr 12.000 alte Cedis und 1,20 neue Cedis. Das Schwierige an dieser Zweigleisigkeit ist, dass beide Währungen im Umlauf sind und man mit beiden gleichzeitig bezahlen muss. Der alte Cedi besteht nur aus Cedis, nicht wie der Euro aus Euro und Cent. Ein neuer Cedi sind 100 Pesewas. Man hat also ziemlich viele verschiedene Münzen und Scheine in der Tasche. Unglaublich ist auch, dass der größte Geldschein der alten Währung 20.000 Cedis ist (also umgerechnet 1,80 €). Man kann sich vorstellen, wie viele Scheine man zu einem Großeinkauf, zu einem feinen Abendessen oder zum Autokauf mitnehmen muss. Die Währungsreform verringert also das Portemonnaie-Volumen drastisch. Negativer Nebeneffekt ist aber auch dass die Preise für Waren jetzt schon ansteigen, und vieles was früher um die 50 Cent gekostet hat, jetzt, der „Einfachheit“ halber, einen Cedi kostet. Wir haben das ja auch alle beim Euro mitgemacht. Um Unmut vorzubeugen hat die lustige Zentralbank 328.986.256 (eher mehr) lächelnde Aufklärungs-Sticker im Land verteilt, die proklamieren, dass alle Preise beim alten bleiben werden. „The value ist the same“. Daneben sind Vorher-Nachher-Bilder von unzufriedenen Frauen und Männern, die Koffer voller Geld herumschleppen nebst vor Freude jauchzender Ghanaer, die nur noch ein paar Scheine der neuen Währung in der Hand halten. Viele Marktfrauen sehen aber trotzdem lieber den alten Cedi, obwohl der im Dezember ausgedient haben soll. Ob das aber so reibungslos funktioniert…ich kann es mir kaum vorstellen.
Nun gut, was bekommt man hier für sein Geld? Wie billig ist Ghana? Hier ein paar Beispiele aus dem Alltag. Die Preise sind in Euro umgerechnet…
Ein großes Brot - 50 Cent
Ein Päckchen Kaugummi - 8 Cent
Frühstück auf dem Markt (Egg-Sandwich und Kakao) - 80 Cent
Eine Banane - 6 Cent
Eine Wassermelone - 15 Cent
500ml-Trinkwasserpäckchen - 2 Cent
15-Liter Wasser in 30 Plastikbeuteln - 70 Cent
ein ghanaisches Bier (0,7 Liter) - 70 Cent
eine Flasche Schnaps - ab 60 Cent
traditionelles Mittagessen (Fufu, Banku, Kenkey, Jollof) - 40-60 Cent
Hotelzimmer (mit Gemeinschaftsduschen) - 3 Euro
Hotelzimmer (mit eigenem Bad) - ab 4 Euro
Taxifahrt nach Downtown-Accra (15 km) - ab 3 Euro je nach Verhandlungsgeschick
TroTro-Fahrt in die Stadt - 30 Cent
Pizza beim schicken Italiener - 5-10 Euro
…
ein kleines Päckchen Feta (importiert) - 28 Euro
ein kleines Glas Nutella (natürlich auch importiert) - 8 Euro
ein kleines Glas HOnig
ein Tetra-Pack Milch (fast immer aus Dland) - ab 4 Euro
kleines Päckchen Haribo-Gummibärchen - 6 Euro aufwärts
500 Gramm Gouda von der lieben Tante Antje - ab 15 Euro
…ihr seht. Man bekommt hier alles, wenn man das nötige Kleingeld hat. Es ist aber schon lächerlich hier im Koala-Mart oder im Max-Mart (die beiden größten westlichen Kaufhäuser in Accra) schicke Obrunis und Ghanaer zu sehen, die 28 Euro für ein 200 Gramm Päckchen Feta hinblechen (dafür kann man ungefähr 250 Mal auf dem Markt essen). Nun ja, trotzdem ist das Verlangen nach westlichem Essen hier besonders groß und nach 3 Tagen Ghana-Essen vom Markt packt mich der absolute Heißhunger nach Nudeln, Pizza, Hamburger, Pommes oder sonstigem Vertrauten, was ja auch irgendwie verständlich ist.
Aber was isst man traditionellerweise hier? Der echte Ghanaer isst Reis oder Fufu (gestampfte Cassava und Kochbananen) mit Soße 3-mal am Tag. Die häufigsten Gerichte sind:
Waakye - weißer Reis und Bohnenmix
Plain Rice - einfacher Reis
Jollof - Reis in Gemüse und Fleischsud gekocht (orangefarben)
Fried Rice - gebratener Reis
Banku/Kenkey - gestampfter Mais und Kochbananen
Omotuo - Knödelartige Reisbälle
Fufu - gestampfte Cassava-Knolle und Kochbananen
RedRed - rote Kidney-Bohnenpampe mit Fried Plantains
Spaghetti - extrem weich gekocht, pampenhaft
Geraspelter Weißkohl als Mini-Beilage (der Ghanaer steht nicht auf Salat oder Gemüse)
Fried Plantains - geröstete oder frittierte Kochbananen mit Pfeffer
Fried Yams - frittierter Yams (ähnlich ganz dicken Pommes)
Kebabs - superscharfe Fleischspieße aus Ziegenfleisch
Dazu gibt’s dann die Auswahl zwischen 4 verschiedenen suppenartigen Soßen:
Groundnut-Soup - Erdnusssuppe mit Innereien (man glaubts kaum aber das ist mein Favorit)
Palmnut-Soup - Suppe aus Palmnüssen mit Fisch (unglaublicher Kotzreiz)
Light-Soup - Extrem scharfe Suppe aus Tomaten und Ziegenfleisch
Stew - scharfe Tomaten-Fleischsoße
Wenn man den Tag nicht mit Reis anfangen möchte (der übliche Ghanaer isst Waakye mit Stew zum Frühstück), der wird von zahlreichen Eierfrauen beglückt, die mit ihren kleinen Ständen am Straßenrand stehen und ein schnelles Rührei-Sandwich (für 40 Cent) zaubern. Im zweiten International Students Hostel gibt es auch eine Pancake-Lady, die superleckere Pfannenkuchen für die armen Obrunis brät, um deren afrikanischen Essensschock zu kompensieren.
Hauptnahrungsquelle für uns ist aber der Nightmarket (ein kleiner Markt aus Obst- und Essensbuden, hier köcheln verschiedene Stände von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends), der nur 100 Meter vom Hostel entfernt ist.
So genug von traditionellem Essen (nach 2 Tagen momentan). Es ist Dienstag, das bedeutet 2 for 1- Pizzanight in der Tankstellen-Pizzeria außerhalb des Campus - die wöchentliche Pilgerfahrt beinahe aller Internationalis. Lächerlich aber wahr. Und ich pilgere jetzt auch dorthin. Tankstellenabend. Die Zeiten sind zu Hause ja schon seit Jahren vorbei.
Das wars noch mal von mir…Bis bald. Micha
PS: Ach ja, ich beneide euch alle so oft hier um frisches Gemüse, einen fetten Salat, Käse, Marmelade und Milch…..ich werde mächtig reinhauen, wenn ich wieder zu Hause bin. Also ladet mich besser nicht zum Essen ein, oder Moment mal - ladet mich auf jeden Fall zum Essen ein….Grüße und guten Hunger zu Hause…
Montag, 15. Oktober 2007
schreibfaul...
ich werde mich aber definitiv in den nächsten tagen nochmal mit news und geschichten vom regenwaldtrip, von der reise in die berge und zum höchsten wasserfall westafrikas und vom westen des landes melden....bis dahin aloha und ich hoffe euch geht es allen gut...
ps: übrigens, meine faulheit kann man auch hier ganz gut erkennen, das hin- und herswitchen zwischen groß- und kleinschreiben ist mir heute zuviel. das schiebe ich aber auf die affenhitze hier. bäääähh
Donnerstag, 27. September 2007
TOGO Part II
So, wie versprochen hier der zweite Teil des Wochenendes in Togo. Der Samstagmorgen begann französisch mit unglaublich leckeren Crossaints in einer schicken Croissanteria. Eines der vielen Überbleibsel französischer Kolonialherrschaft. Übrigens Rauchen und Weintrinken sind hier auch sehr beliebt, ganz im Gegenteil zu Ghana.
Dienstag, 25. September 2007
TOGO (Part I) – Accra-Aflao-Lomé-Lac du Togo-Aného-Lomé-Accra 14.-16.09.2007
Togo, Ghanas Nachbarland im Osten, war unser nächster Wochenendtrip und entpuppte sich als echter Junggesellentrip. Mit Andrew, Quentin, Dave und James war die Gruppe auch zum ersten Mal nicht so groß, eine angenehme Reisegröße also. Da niemand wusste was uns erwarten würde und wir auch keine eigentliche Anlaufstelle in Togo hatten, ließen wir uns ganz vom Zufall treiben. Da Europäer für jedes westafrikanische Land ein Extra-Visum beantragen müssen war unsere erste Aufgabe dieses bei der togolesischen Botschaft in Accra zu ergattern. Quentin hatte das schon ein paar Tage vor uns gemacht und gesagt es sei kein Problem oder ein sonderlich großer Kraftakt. Pustekuchen. Nach einer guten Stunde Suchen hatten wir die Botschaft gefunden und beschlossen ein Mastervisum der Entente zu beantragen Das ist ein Sammelvisum für Togo, Benin, Elfenbeinküste, Burkina Faso und Niger, 5 französischsprachige Länder in Westafrika. Nach einem endlosen Papierkrieg war es geschafft, fast. Nun mussten wir nur noch den zuständigen Ambassadeur, der gar nicht der Botschafter war in seinem Büro aufsuchen und um die Erlaubnis bitten, Togo besuchen zu dürfen. Im Büro fanden wir einen zeitunglesenden Mitdreißiger mit grimmigem Gesicht vor, der uns keines Blickes würdigte. Um die Spannung zu brechen sagte Dave so was wie: Hey Buddy, what´s up today, you feel fine, wow hey, nice office, fancy, so yeah we´re here!” Danach folgte filmreifes Zeitlupenweglegen der Zeitung und noch fiesere Fresse von Mitdreißiger. Das war zuviel für ihn und auch ich fand es völlig unpassend von Dave, übertrieben und peinlich. Die erste Frage seinerseits war: Was wollt ihr denn mit den togolesischen Frauen machen übers Wochenende? (Kein Scherz). Dann beschuldigte er uns, dass wir nur den Stempel im Pass haben wollten und nicht wirklich interessiert an Togo und dessen Geschichte seien, anderseits hätten wir ja nicht das Mastervisa beantragt. Danach erklärte er uns warum er die internationalen Legon-Studenten, also uns inklusive, so hasse, sie haben ihn und sein Land beleidigt und sein Volk über Jahrhunderte gequält und erniedrigt, gemeint war sicher der weiße Mann allgemein. Wir waren jedenfalls mehr als verstört. Das Ende vom Lied war dann, das wir für ihn Geld wechseln fahren mussten, Ghana Cedis in Westafrikanischen Franc, als kleinen Dienst für seine Stempel-Handbewegung in unsere Reisepässe – Arschloch (Entschuldigung, aber er war ein riesengroßes). Gott sei Dank waren alle Togolesen in Togo selbst mehr als freundlich.
Montag, 17. September 2007
Cape Coast/Elmina 31.08.-02.09.2007
Der zweite große Wochenendausflug führte uns der Küste entlang nach Cape Coast und Elmina, zwei Städte, die leider besonders wegen ihrer gewaltigen Sklavenburgen bekannt sind. Cape Coast, die Bildungshauptstadt Ghanas hat eine Vielzahl von privaten Colleges und eine große Uni. Die Stadt hat circa 100.000 Einwohner, wirkt aber wie alle Städte hier viel größer, weil sich das Leben nicht wie bei uns hinter Fassaden und Wänden, sondern auf den Straßen abspielt und man überall unglaublich viele Menschen sieht. Die Fahrt nach Cape Coast war zwar nicht so ein Erlebnis wie die nach Kumasi, aber auch hier haben wir unglaubliche 4 Stunden gebraucht – und das bei nur 190 km Distanz. Es hat jedenfalls in den Bus reingeregnet und mein Sitz war so unglaublich wackelig, dass ich ständig von einer zur anderen Seite geschwankt bin. Sehr thrombose-gefährlich jedenfalls. In Cape Coast angekommen haben wir uns im Amkred Guesthouse mit 9 Leuten in 2 Doppelzimmer und ein Einzelzimmer gemütlich gemacht.
Sonntag, 9. September 2007
Accra - Kumasi - Lake Bosumtwi - Accra (24.08.-27.08.07)
Das Highlight der Fahrt war aber das Brotdorf, ein Dorf, oder eine Kleinstadt, in der wirklich alle Bewohner an der Straße standen und Weißbrot zu verkaufen hatten. Alle. Das sah so lustig aus, sodass wir das Dorf Breadville getauft haben und danach stundenlang schlechte Wortwitze gerissen haben. Kleine Kostprobe: Was ist das meistgelesenste Buch in Breadville? The Great Breadsby! Oder: Was ist Breadvilles Lieblingsfilm: Alien vs. Breadetor. Haha, es ging weiter mit Bread Pitt oder Breadney Spears, den Rest kann man sich vorstellen, hab jedenfalls selten so gelacht.
In Kumasi angekommen mussten wir dann wirklich die komplette Stadt nach Guesthouses abklappern, bis wir schließlich eins gefunden hatten. Kumasi ist Ghanas zweitgrößte Stadt mit schätzungsweise 1,5 Millionen Einwohnern und man sagt es ist die heimliche und vor Allen kulturelle Hauptstadt des Landes. Es ist außerdem die Hauptstadt des Ashanti-Reiches und deshalb der Sitz des Ashanti-Königs, der auch heute noch eine große Rolle im politischen Alltag Ghanas spielt. Die Menschen dort waren auf jeden Fall freundlicher und gelassender als die hektischen Accraer. Wir sind natürlich sofort auf den Kejtija-Markt gegangen, den mit Abstand größten Markt Westafrikas und einem der größten des Kontinents. Er ist unglaublich groß, größer als 15 Fußballfelder. Die Ashanti sagen, dass man hier alles kaufen kann, mit Ausnahme von Flugzeugen und Öltankern. Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis gewesen sich in das unglaubliche Gewusel von Menschen und Waren zu bewegen. Es wurde geschubst, gedrängelt, gegrapscht, geschrien, nach einer halben Stunde hatten wir genug. Stattdessen ging es in National Cultural Centre, ins kleine aber äußerst interessante Ashanti-Museum. Danach gab es eine kostenlose Tanzperformance zur ghanaisch-indischen Kulturwoche. Die afrikanischen Rhythmen waren äußerst genial (siehe Fotos von Kumasi), die indische 2-stündige Kreischeinlage war aber kaum zu ertragen. Die Tänzerin hat ihren Tanz ständog abgebrochen, weil sie unzufrieden war und hat dann ins Publikum geschrieen, dass es eigentlich anders aussehen sollte und der Takt „Ka-Chi-Ka-Ka-Chi-Ka-Chi-Ka-Ka-Chi“ ist. Schrecklich. Danach haben wir uns im hippen Funkies zu Livemusik betrunken und haben super Schüttelfotos gemacht. Spezialalbum mit Schüttelfotos folgt.
Nach nur 1 Tag hatten wir dann aber schon genug vom quirligen Kumasi, besonders wenn man vorher 3 Wochen im noch quirligeren Accra unterwegs war und es zog uns in Richtung Natur pur, zu Ghanas größtem natürlichen See - dem Lake Bosumtwi. Das ging mit einstündiger TroTro-Fahrt nach Kuntanase und anschließender einstündiger Taxifahrt zum Geheimtipp-Guesthouse am Seeufer, dem Rainbow Garden Village, total ab vom Schuss aber ein unglaubliches Paradies. Steffen aus Freiburg hat es vor zwei Jahren aus dem Nichts geplant und gebaut und wohnt jetzt mit Belinda, seiner Frau, dort. Es gibt 12 Zimmer, eine Bar, ein Volleyballfeld am Wasser, Tischtennis und Erholung pur. Es war wirklich traumhaft und für 6 Euro pro Nacht - wow! Schwimmen waren wir auch, das Wasser ist glasklar und es gibt weder Bilharziose, noch Krokodile. Abends haben wir mit zwei Einheimischen ein großes Feuer gemacht, haben getrommelt und ein Rastafari hat Geschichten erzählt bis in die Nacht.Der See ist fast kreisrund und hat einen Durchmesser von 10 km. Umgeben von 400 m hohen Bergen und mit tropischen Pflanzen übersät gab es natürlich auch jede Menge Getier und Gewürm. Und wie es der Zufall so wollte haben sich kurz vor der Nachtruhe zwei riesige Spinnen über meinem Bett gemütlich gemacht, von denen Belinda behauptete, sie seien giftig. Die Spinnen waren jedenfalls um ein vielfaches größer, als alles was ich bisher gesehen habe. Andrew hat ein Foto mit seiner Hand als Vergleich gemacht, das lade ich noch hoch. Hab jedenfalls eine nicht so gute Nacht gehabt, oben im Hochbett liegend mit 20-cm Abstand zur Decke und undichtem, löchrigem Dach. Aber habe es Gott sei Dank ueberlebt. Wir werden aber trotzdem nochmal dorthin fahren und das ganze Resort fuer uns reservieren. Das wird bestimmt toll...so das wars nochmal von mir, die Tage gibts nochmal ein Uni-Update Neues vom Chaos-Wochenende in Cape Coast und Elmina. So long, machts gut...