Dienstag, 6. November 2007

Zurück aus Burkina Faso

Hallo alle zusammen, es ist ja schon wieder eine kleine Weile her, dass ich mich gemeldet habe. Grund war eine 11-tägige Reise nach Burkina Faso. Es war fantastisch und anstrengend und ich habe viel zu erzählen. Da ich aber eine Woche Uni verpasst habe muss ich jetzt zwei Tage arbeiten und werde dann Donnerstag und Freitag was reinstellen.

Vielen Dank auch an Euch für alle lieben Glückwünsche und Grüße zu meinem Freudentag. Ich hab ganz viel an Euch alle gedacht. Es wurde hier ordentlich gefeiert. Ich weiß nicht warum es alle wussten, aber mein Geburtstag war in aller Munde. So sind wir tatsächlich zu 36 (!) in ein indisches Restaurant gefahren. Ich als VIP habe von der indischen Besitzerin ein ultra-häßliches Schmuckkästchen (siehe Foto) bekommen, es wurde gesungen und Geschenke gabs auch ganz tolle. Ich hatte also einen sehr schönen Tag.

Ich muss mich jetzt fertig machen, muss in meine Kurse gehen…Fotos vom Geburtstagsessen beim Inder gibt’s schon online, schaut mal rein…http://picasaweb.google.de/unkenzucht

Grüße und bis die Tage - Mitch

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Kleine ghanaische Preiskunde + Was bekommt der Michi denn hier zu essen…???

So, hier mal eine kleine Einführung ins ghanaische Preissystem. Was kostet wie viel, was bezahlt man wofür? Wie viel bekommt man hier wirklich für 1 €. Zuerst muss man sagen, dass sich das ganze Land gerade in einer Währungsreform befindet. Der alte Cedi hat ausgedient und der neue Ghana Cedi wird gerade langsam an den Mann/an die Frau gebracht.
Ein Euro ist ungefähr 12.000 alte Cedis und 1,20 neue Cedis. Das Schwierige an dieser Zweigleisigkeit ist, dass beide Währungen im Umlauf sind und man mit beiden gleichzeitig bezahlen muss. Der alte Cedi besteht nur aus Cedis, nicht wie der Euro aus Euro und Cent. Ein neuer Cedi sind 100 Pesewas. Man hat also ziemlich viele verschiedene Münzen und Scheine in der Tasche. Unglaublich ist auch, dass der größte Geldschein der alten Währung 20.000 Cedis ist (also umgerechnet 1,80 €). Man kann sich vorstellen, wie viele Scheine man zu einem Großeinkauf, zu einem feinen Abendessen oder zum Autokauf mitnehmen muss. Die Währungsreform verringert also das Portemonnaie-Volumen drastisch. Negativer Nebeneffekt ist aber auch dass die Preise für Waren jetzt schon ansteigen, und vieles was früher um die 50 Cent gekostet hat, jetzt, der „Einfachheit“ halber, einen Cedi kostet. Wir haben das ja auch alle beim Euro mitgemacht. Um Unmut vorzubeugen hat die lustige Zentralbank 328.986.256 (eher mehr) lächelnde Aufklärungs-Sticker im Land verteilt, die proklamieren, dass alle Preise beim alten bleiben werden. „The value ist the same“. Daneben sind Vorher-Nachher-Bilder von unzufriedenen Frauen und Männern, die Koffer voller Geld herumschleppen nebst vor Freude jauchzender Ghanaer, die nur noch ein paar Scheine der neuen Währung in der Hand halten. Viele Marktfrauen sehen aber trotzdem lieber den alten Cedi, obwohl der im Dezember ausgedient haben soll. Ob das aber so reibungslos funktioniert…ich kann es mir kaum vorstellen.
Nun gut, was bekommt man hier für sein Geld? Wie billig ist Ghana? Hier ein paar Beispiele aus dem Alltag. Die Preise sind in Euro umgerechnet…

Ein großes Brot - 50 Cent
Ein Päckchen Kaugummi - 8 Cent
Frühstück auf dem Markt (Egg-Sandwich und Kakao) - 80 Cent
Eine Banane - 6 Cent
Eine Wassermelone - 15 Cent
500ml-Trinkwasserpäckchen - 2 Cent
15-Liter Wasser in 30 Plastikbeuteln - 70 Cent
ein ghanaisches Bier (0,7 Liter) - 70 Cent
eine Flasche Schnaps - ab 60 Cent
traditionelles Mittagessen (Fufu, Banku, Kenkey, Jollof) - 40-60 Cent
Hotelzimmer (mit Gemeinschaftsduschen) - 3 Euro
Hotelzimmer (mit eigenem Bad) - ab 4 Euro
Taxifahrt nach Downtown-Accra (15 km) - ab 3 Euro je nach Verhandlungsgeschick
TroTro-Fahrt in die Stadt - 30 Cent
Pizza beim schicken Italiener - 5-10 Euro

ein kleines Päckchen Feta (importiert) - 28 Euro
ein kleines Glas Nutella (natürlich auch importiert) - 8 Euro
ein kleines Glas HOnig
ein Tetra-Pack Milch (fast immer aus Dland) - ab 4 Euro
kleines Päckchen Haribo-Gummibärchen - 6 Euro aufwärts
500 Gramm Gouda von der lieben Tante Antje - ab 15 Euro

…ihr seht. Man bekommt hier alles, wenn man das nötige Kleingeld hat. Es ist aber schon lächerlich hier im Koala-Mart oder im Max-Mart (die beiden größten westlichen Kaufhäuser in Accra) schicke Obrunis und Ghanaer zu sehen, die 28 Euro für ein 200 Gramm Päckchen Feta hinblechen (dafür kann man ungefähr 250 Mal auf dem Markt essen). Nun ja, trotzdem ist das Verlangen nach westlichem Essen hier besonders groß und nach 3 Tagen Ghana-Essen vom Markt packt mich der absolute Heißhunger nach Nudeln, Pizza, Hamburger, Pommes oder sonstigem Vertrauten, was ja auch irgendwie verständlich ist.

Aber was isst man traditionellerweise hier? Der echte Ghanaer isst Reis oder Fufu (gestampfte Cassava und Kochbananen) mit Soße 3-mal am Tag. Die häufigsten Gerichte sind:

Waakye - weißer Reis und Bohnenmix
Plain Rice - einfacher Reis
Jollof - Reis in Gemüse und Fleischsud gekocht (orangefarben)
Fried Rice - gebratener Reis
Banku/Kenkey - gestampfter Mais und Kochbananen
Omotuo - Knödelartige Reisbälle
Fufu - gestampfte Cassava-Knolle und Kochbananen
RedRed - rote Kidney-Bohnenpampe mit Fried Plantains
Spaghetti - extrem weich gekocht, pampenhaft
Geraspelter Weißkohl als Mini-Beilage (der Ghanaer steht nicht auf Salat oder Gemüse)
Fried Plantains - geröstete oder frittierte Kochbananen mit Pfeffer
Fried Yams - frittierter Yams (ähnlich ganz dicken Pommes)
Kebabs - superscharfe Fleischspieße aus Ziegenfleisch

Dazu gibt’s dann die Auswahl zwischen 4 verschiedenen suppenartigen Soßen:

Groundnut-Soup - Erdnusssuppe mit Innereien (man glaubts kaum aber das ist mein Favorit)
Palmnut-Soup - Suppe aus Palmnüssen mit Fisch (unglaublicher Kotzreiz)
Light-Soup - Extrem scharfe Suppe aus Tomaten und Ziegenfleisch
Stew - scharfe Tomaten-Fleischsoße

Wenn man den Tag nicht mit Reis anfangen möchte (der übliche Ghanaer isst Waakye mit Stew zum Frühstück), der wird von zahlreichen Eierfrauen beglückt, die mit ihren kleinen Ständen am Straßenrand stehen und ein schnelles Rührei-Sandwich (für 40 Cent) zaubern. Im zweiten International Students Hostel gibt es auch eine Pancake-Lady, die superleckere Pfannenkuchen für die armen Obrunis brät, um deren afrikanischen Essensschock zu kompensieren.

Hauptnahrungsquelle für uns ist aber der Nightmarket (ein kleiner Markt aus Obst- und Essensbuden, hier köcheln verschiedene Stände von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends), der nur 100 Meter vom Hostel entfernt ist.

So genug von traditionellem Essen (nach 2 Tagen momentan). Es ist Dienstag, das bedeutet 2 for 1- Pizzanight in der Tankstellen-Pizzeria außerhalb des Campus - die wöchentliche Pilgerfahrt beinahe aller Internationalis. Lächerlich aber wahr. Und ich pilgere jetzt auch dorthin. Tankstellenabend. Die Zeiten sind zu Hause ja schon seit Jahren vorbei.

Das wars noch mal von mir…Bis bald. Micha

PS: Ach ja, ich beneide euch alle so oft hier um frisches Gemüse, einen fetten Salat, Käse, Marmelade und Milch…..ich werde mächtig reinhauen, wenn ich wieder zu Hause bin. Also ladet mich besser nicht zum Essen ein, oder Moment mal - ladet mich auf jeden Fall zum Essen ein….Grüße und guten Hunger zu Hause…

Montag, 15. Oktober 2007

schreibfaul...

huhu alle zusammen, sorry dass ich in den letzten tagen, sogar wochen eher schreibfaul war, das liegt aber leider daran, dass ich soviel zu tun habe, bin gestern von einem anstrengenden vier-tage-trip aus dem westen des landes zurückgekommen, die bilder lade ich übrigens gerade hoch, und wir hatten wie immer eine menge spaß.

ich werde mich aber definitiv in den nächsten tagen nochmal mit news und geschichten vom regenwaldtrip, von der reise in die berge und zum höchsten wasserfall westafrikas und vom westen des landes melden....bis dahin aloha und ich hoffe euch geht es allen gut...

ps: übrigens, meine faulheit kann man auch hier ganz gut erkennen, das hin- und herswitchen zwischen groß- und kleinschreiben ist mir heute zuviel. das schiebe ich aber auf die affenhitze hier. bäääähh

Donnerstag, 27. September 2007

TOGO Part II

So, wie versprochen hier der zweite Teil des Wochenendes in Togo. Der Samstagmorgen begann französisch mit unglaublich leckeren Crossaints in einer schicken Croissanteria. Eines der vielen Überbleibsel französischer Kolonialherrschaft. Übrigens Rauchen und Weintrinken sind hier auch sehr beliebt, ganz im Gegenteil zu Ghana.

Nach dem petit dejeunér haben wir uns dann zu Fuß in Richtung Hauptmarkt aufgemacht, der sich in allen Seitengassen um die Kathedrale erstreckt. Der krasse Unterschied zu allen Märkten in Ghana, die ich gesehen habe, war offensichtlich: Es wurde weder geschrieen, noch gezerrt, gezischt oder gedrängelt. Selbst die Marktfrauen und Händler waren laid back, so relaxed. Sehr seltsam. Und obwohl es in Ghana mehr Weiße gibt, als in Togo, haben wir hier kaum Obroni-Schreie gehört. Eine sehr angenehme Atmosphäre also, die von den schattigen Alleen noch unterstützt wurde. Nach einem anstrengenden Sandalenkauf mit wirklich schweißtreibendem Feilschen (Resultat: Halber Preis, das hat sich doch gelohnt) sind wir dann zum Stadtstrand marschiert, der wirklich sehr schön war, obwohl der Eingangs-Palmenstreifen als öffentliches Klo genutzt wurde. Hier haben wir uns ein bisschen ausgeruht und 5 Sekunden nach dem sich-in-den-Sand-Setzen kamen die ersten seltsamen Gestalten, die um uns herumlungerten. Nach 10 Minuten haben wir dann auch den Hinweis im Guidebook gelesen, dass man Lomé-Stadtstrand meiden sollte. Stattdessen ging es ins einzige Luxushotel der Stadt, wo wir einen frechen Cocktail am Pool auf der Dachterrasse genossen haben. Danach wollten wir eigentlich noch weiter durch die Stadt laufen, doch es kam uns ein Zufall dazwischen, der unsere weitere Planung bestimmen sollte.

Unten in der Hotellobby fiel Andrews Aufmerksamkeit auf eine junge weiße Dreadlock-Frau mit einem grünen Band-T-Shirt. Die beiden kamen ins Gespräch, da Andrew die Band persönlich aus Ashville kennt. Heraus kam, dass sich die beiden auch über 2 Ecken kannten und praktisch den gleichen Freundeskreis haben. Zufälle gibt’s. Sie ist jedenfalls Konzert-Promoterin und organisiert Konzerte und Shows in Togo für ein Jahr. Durch sie sind wir dann telefonisch an einen Freund, Maurice 32 aus Togo, geraten, der für die nächsten 48 Stunden unser persönlicher Chaffeur war. Wir hatten also einen klapprigen Zweier-Golf aus ehemals Dortmund mit dickem Allianz-Aufkleber auf dem Lenkrad. Sehr skurill. Und statt weiterer Stadtbesichtigung sind wir dann mit Maurice zum Fetisch-Market, einem der größten Voodoo-Märkte in Westafrika gefahren. Voodoopraktiken werden viele von euch eher aus Haiti kennen, ja das ist richtig. Dabei muss man bedenken, dass Haitianer ehemalige Westafrikaner aus Togo und Benin sind. Voodoo kommt also aus Togo und Benin.

Am Fetisch-Markt angekommen, haben wir dann eine private Führung bekommen und haben gelernt, dass man gemahlene Leopardenköpfe zu sich nehmen soll, wenn man ein besserer Sprinter werden möchte, oder ein Gemisch aus gehächselten Affenschädeln und Hundeköpfen zur Verbesserung der allgemeinen Intelligenz. Und dann gab es natürlich sehr viele Mittelchen für die Steigerung der Potenz oder zur geheimen Überzeugung der Angehimmelten. Wirklich sehr sehr sehr skurill, zwischen Köpfen von Raubkatzen, Krokodolen, Affen, Katzen, Hunden, Giraffen und Elefantenfüßen zu stehen. Es wurde noch skurriler. Nach der Führung wurden wir in die Hütte des obersten Voodoo-Meisters verfrachtet, wo wir zwischen Hühnern und eingesperrten riesigen Bisamratten, die elendig vor sich her quietschten, auf Mini-Bänken sitzen mussten. Der Voodoo-Guru erklärte uns die fünf wichtigsten Alltags-Fetische und gab sie uns jeweils in die Hand, sodass wir sie auch schön kaufen sollten. Der erste Fetisch war für Glück im Leben (eine Halskette), der zweite für sichere Reisen (ein Bambus-Hölzchen mit Teer), der dritte für gute Erinnerung (eine getrocknete Frucht), der vierte für gute Hausgeister (ein zusammenbetoniertes Steinhäufchen) und der letzte Fetisch für Potenz und Ausdauer im Bett (ein langes Holzstück, dass angeblich die Inhaltsstoffe für Viagra geliefert hat). Jeder von uns hat mindestens einen Fetisch gekauft. Die witzigste Situation war folgende. Alle hatten innerhalb von circa 10 Sekunden entschieden, welchen Fetisch sie mit nach Hause nehmen sollten, die restlichen sollte man in eine kleine Schüssel vor sich legen. Als wir hochschauten saß James in folgender Position: Beide Hände ausgestreckt vor der Brust, in der einen Hand den Fetisch für allgemeines Glück im Leben haltend, in der anderen Hand das Viagra-Hölzchen. Und man sah im die Zwickmühle an, in der er sich befand. Er konnte sich einfach nicht entscheiden, bis der Voodoo-Meister schließlich angemerkt hat, dass allgemeines Glück wichtiger sei und ja auch irgendwie das andere einschließen würde. James hat deswegen auch nur den Glücks-Fetisch gekauft. Sehr witzige Situation. Beim Verlassen des Marktes ist es den aggressiven Voodoo-Frauen dann noch gelungen 3 Affenschädel an den Mann zu bringen, genauer gesagt, an Dave, Andrew und James – an alle 3 Amerikaner also, die das sooooo creepy und coool fanden, ich fand es allerdings saudoof! Das wird auch am Flughafen beim Zoll auffallen. Tja Pech!

Nach dem Voodoo-Markt sind wir dann zum Lac du Togo, dem größten See Togos aufgebrochen und haben dort in einem Strand-Resort mit Rundhütten geschlafen. Es gab reichlich Wein, eine giftige Schlange im Sand, auf die der Besitzer circa 27 mal getreten ist, bevor sie es geschafft hatte und Ekel-Spaghetti mit Fischsoße (genau das richtige wenn man einen Riesen-Hunger hat). Ansonsten war es dort aber unglaublich ruhig, wieder genau das Richtige nach fast zwei Tagen afrikanischer Großstadt.

Nach dreistündigem afrikanischen Warten auf Maurice am Sonntagmorgen sind wir dann unwissend mit ihm in seine Heimatstadt gefahren, Anèho, die ehemalige traditionelle Hauptstadt Togos, die gleichzeitig schon Grenzstadt zu Benin ist. Unglaublich, dass Togo nur 55 km Küstenlinie hat. Togo zu durchkreuzen, um von Ghana nach Benin zu gelangen dauert also nur eine Stunde. In Aného war Festtag. Der Dorf-Chief und gleichzeitige König des traditionellen Togos hatte sein Dienstjubiläum und hunderte waren aufgebrezelt im Zentrum unterwegs, zur Enthüllung einer Statue und anschließendem Festzug zum Haus des Königs. Unter anderem waren auch Botschafter, einige Minister und sonstige VIPs Togos zugegen. Peinlich für uns war zu allererst: Wir waren nicht eingeladen. Daneben war unser Aussehen extrapeinlich. Dreckige T-Shirts, kaputte Flip-Flops und sandige Füße. So haben wir dann die amtierende Miss Togo 2007 erspäht und haben es uns als eingeschriebener Junggesellenausflug natürlich nicht nehmen lassen sie zu einem gemeinsamen Foto zu nötigen. Ergebnis und andere Fotos gibt es wie immer hier: http://picasaweb.google.de/unkenzucht. Seltsamerweise fehlte Miss Togo neben einem Zahn auch scheinbar ein funktionierendes Gehirn. Gemein, aber ihr hättet sie sehen sollen, herrlich. Sie, ihre Schwester und ihr Manager waren jedenfalls nicht so angetan von uns, aber ich wäre es auch nicht gewesen, aber ich bin ja auch nicht Miss Togo 2007…..noch nicht! Hahaha. Es wurde allerdings noch peinlicher. Maurice bestand darauf, dass wir den König persönlich treffen sollten und ihm die vorher gekaufte Flasche Schnaps zu überreichen (Schnaps sagt man übrigens überall, die Amis und die Kanadier sagen das, in Ghana und in Togo auch und in Vietnam konnte man auch Schnapps kaufen, nur so nebenbei). Dazu mussten wir im Festzug mitmarschieren und wurden in einer Masse mit zum Königshaus geschoben. Am Eingang mussten wir von kritischen Blicken gemustert unsere Flip-Flops ausziehen und barfuss weiterlaufen. Ab diesem Zeitpunkt haben wir Maurice gebeten doch bitte zu gehen, weil uns die Situation peinlich war. Aber er bestand darauf und auch Quentin drängte uns, sich doch nicht so anzustellen. Der Weg zum König war weit, man musste zahlreiche Innenhöfe und Tore passieren. Je weiter wir vordrangen, desto deutlicher wurde der Widerstand gegenüber 5 schmutzigen Obronis, die nicht mit der Situation zu tun hatten. Hochrot wurden wir dann nach 1 Stunde Wartezeit in den Königshof geschoben, wo wir nach einem kurzen Handschütteln mit seiner Königlichkeit, die wenig begeistert schien, der Geschenkübergabe an einen Diener, und einem Foto wieder hinausgeschoben wurden. Beim Hinausgehen schrieen einige Angestellte auf Französisch: „Nur weil sie weiß sind? Das ist eine Beleidigung für den König, was soll das? Und nur weil sie darauf bestanden haben!“ Ultrapeinlich, ich hatte selten so einen roten Kopf. Nach diesem peinlichen Intermezzo haben wir dann Andrew, James und Quentin an der Grenze zu Benin abgeliefert. Dave und ich mussten wieder nach Accra, da wir Montagmorgen Kurse an der Uni hatten. Zurück in Lomé sind wir dann zu Al Donalds gegangen, einem billigen Abklatsch von McDoof. Sehr witzig und der Burger war gar nicht mal so schlecht. Dave hatte jedenfalls seine Portion Heimatgefühl. Die Rückfahrt nach Accra war dann furchtbar, 5 Stunden TroTro und 278 Polizei-Checkpoints. Und immer hieß es: Alle aus dem TroTro raus, Passkontrolle, Suche nach Schmuggelwaren. Daves Affenschädel wurde nicht gefunden. Schade. Um halb 11 abends war dann Home sweet Home angesagt, man fühlt sich schon richtig zu Hause in Accra, wahnsinn, aber schön.

Das war’s mal wieder von mir. Bald gibt’s den schriftlichen Nachtrag zu den Regenwald-Fotos, die ich heute hochgeladen hab. Da gibt es wie immer auch einiges zu erzählen. Viele Grüße und fleißig weiterlesen. Yebeyhia sage Ich.

Dienstag, 25. September 2007

TOGO (Part I) – Accra-Aflao-Lomé-Lac du Togo-Aného-Lomé-Accra 14.-16.09.2007

Togo, Ghanas Nachbarland im Osten, war unser nächster Wochenendtrip und entpuppte sich als echter Junggesellentrip. Mit Andrew, Quentin, Dave und James war die Gruppe auch zum ersten Mal nicht so groß, eine angenehme Reisegröße also. Da niemand wusste was uns erwarten würde und wir auch keine eigentliche Anlaufstelle in Togo hatten, ließen wir uns ganz vom Zufall treiben. Da Europäer für jedes westafrikanische Land ein Extra-Visum beantragen müssen war unsere erste Aufgabe dieses bei der togolesischen Botschaft in Accra zu ergattern. Quentin hatte das schon ein paar Tage vor uns gemacht und gesagt es sei kein Problem oder ein sonderlich großer Kraftakt. Pustekuchen. Nach einer guten Stunde Suchen hatten wir die Botschaft gefunden und beschlossen ein Mastervisum der Entente zu beantragen Das ist ein Sammelvisum für Togo, Benin, Elfenbeinküste, Burkina Faso und Niger, 5 französischsprachige Länder in Westafrika. Nach einem endlosen Papierkrieg war es geschafft, fast. Nun mussten wir nur noch den zuständigen Ambassadeur, der gar nicht der Botschafter war in seinem Büro aufsuchen und um die Erlaubnis bitten, Togo besuchen zu dürfen. Im Büro fanden wir einen zeitunglesenden Mitdreißiger mit grimmigem Gesicht vor, der uns keines Blickes würdigte. Um die Spannung zu brechen sagte Dave so was wie: Hey Buddy, what´s up today, you feel fine, wow hey, nice office, fancy, so yeah we´re here!” Danach folgte filmreifes Zeitlupenweglegen der Zeitung und noch fiesere Fresse von Mitdreißiger. Das war zuviel für ihn und auch ich fand es völlig unpassend von Dave, übertrieben und peinlich. Die erste Frage seinerseits war: Was wollt ihr denn mit den togolesischen Frauen machen übers Wochenende? (Kein Scherz). Dann beschuldigte er uns, dass wir nur den Stempel im Pass haben wollten und nicht wirklich interessiert an Togo und dessen Geschichte seien, anderseits hätten wir ja nicht das Mastervisa beantragt. Danach erklärte er uns warum er die internationalen Legon-Studenten, also uns inklusive, so hasse, sie haben ihn und sein Land beleidigt und sein Volk über Jahrhunderte gequält und erniedrigt, gemeint war sicher der weiße Mann allgemein. Wir waren jedenfalls mehr als verstört. Das Ende vom Lied war dann, das wir für ihn Geld wechseln fahren mussten, Ghana Cedis in Westafrikanischen Franc, als kleinen Dienst für seine Stempel-Handbewegung in unsere Reisepässe – Arschloch (Entschuldigung, aber er war ein riesengroßes). Gott sei Dank waren alle Togolesen in Togo selbst mehr als freundlich.

Zum Trip: Es passierten wieder mehr als seltsame Zufälle mit denen niemand gerechnet hätte. Dazu später. Zunächst mussten wir (Andrew, Dave, James und ich, Quentin kam erst Samstag morgen an) ein 3-Stunden TroTro von Accra nach Aflao, dem Grenzposten auf ghanaischer Seite, nehmen, da wir den letzten komfortablen STC-Bus um ganze 7 Minuten verpasst hatten. Es war also Beinabsterbezeit. Juchhu. In Aflao angekommen mussten wir dann weitere Formulare ausfüllen und dann zu Fuß über die Grenze gehen. Lomé, die ehemalige Perle Westafrikas, und 700.000 Einwohner Hauptstadt Togos liegt bequemerweise direkt hinter der Grenze und so ist die Grenzüberquerung auch sogleich Lomés Stadtgrenze. Schlimm war die Grenze besonders für James und Dave, da sie innerhalb von 200 Metern, plötzlich mit ihrem Englisch gar nichts mehr anfangen konnten und ziemlich hilflos und seltsamerweise ängstlich waren. Ich warf mich dafür sofort ins Beste Französisch, was gar nicht so schlecht war, ich konnte sogar mit dem Taxifahrer um den Fahrpreis feilschen. Das vom F*****g Lonely Planet empfohlene Billighotel „Hotel du Boulevard“ war eine echte Absteige und mit 6000 CFA pro Doppelzimmer (ungefähr 10 Euro) nicht gerade billig. Dafür gab es unbearbeitete Betonwände, einen kaputten Ventilator, Eimerdusche und Ekelklo, gut aber wir wollten ja nicht dort einziehen. Pluspunkt war die gute Lage auf der Hauptgeschäftstraße. Lomé war einst die mondäne Stadt in Westafrika, schöne Strände und schicke Hotels, breite Alleen, ein tolles Kultur- und Nachtleben. Die schweren Unruhen in den 90er Jahren haben nicht nur zum heutigen Aussehen der Stadt beigetragen, sondern auch den Ruf der Stadt beschädigt. Trotzdem ist Lomé noch immer einen Ausflug wert und ich habe es als angenehmer empfunden als Accra. Zwar ist es mit fast einer Million im Umkreis nicht gerade klein, wirkt aber nach ein paar Wochen Accra-Moloch ziemlich kompakt. Die Hauptstraße umzingelt die Innenstadt wie ein Halbkreis und startet und endet jeweils an der Strandpromenade. Auf der großen Straße reihen sich Alu-Hochhäuser der großen Landesbanken und Konzerne aneinander. Sternförmig strahlen von dieser kleinere Alleen in Richtung Grande Marchée, dem Hauptmarkt Lomés und ganz Togos. Nach einem ersten Spaziergang und dem ersten Togo-Bier, dass zum Erstaunen DEUTSCH war (Eku-Pils aus Bayern gebraut in Lomé), haben wir uns dann zum Abendessen in einem schicken Restaurant gegenüber dem französischen Kulturcenter niedergelassen und weitere Bier genossen. Die Speisekarte war Krombacher und im Hintergrund lief Deutsche Welle TV. Wahnsinn, dass so lange nach der deutschen Kolonialherrschaft die Einflüsse noch so offensichtlich sind. So haben Restaurants oder Bars deutsche Namen, Straßen heißen Rue de Leipzig oder Boulevard du Stutgard und die deutsche Botschaft ist größer als andere Botschaften. Eventuell hat die deutsche Regierung auch eine besondere Verantwortung für Togo. Das ist zum Beispiel der Fall Deutschland und Namibia, wo heute noch Gelder zur Wiedergutmachung gezahlt werden. Soweit ich Togolesen gefragt habe, sind die Deutschen aber sehr beliebt im heutigen Togo, da sie viel für die Verbesserung der Infrastruktur im Land beigetragen haben. Den Haupteinfluss auf den kleinen 5-Millionen Vielvölkerstaat hatten aber die Franzosen. In Togo gibt es über 40 verschiedene Ethnien, die zum Teil ihre eigene Sprache sprechen. Hauptsprache ist aber Ewe, dass auch in der Volta-Region Ghanas gesprochen wird. Die Ewe lebten in der heutigen Grenzregion zwischen Ghana und Togo. Ihr Land und ihr Volk wurden von den europäischen Kolonialherren in der Mitte geteilt, der westliche Teil fiel zur englischsprachigen Goldküste, dem heutigen Ghana und der östliche Teil zum französischsprachigen Togoland. Viele Ewe haben heute noch Verwandte im jeweiligen Nachbarland.

Nach dem Abendessen und einer extrem lauten Hip-Life-Bar sind wir dann in einem schicken Jazz-Club gelandet, der wirklich außergewöhnlich gut war. Die Band war extra-Klasse, der gute Tropfen trockener Rotwein war genau das Richtige und der Abend endete mit einer Moto-Taxi-Heimfahrt für 200 CFA (umgerechnet 40 Cents) auf klapprigen Mofas, dem Hauptverkehrmittel in Lomé.

So das wars mit dem ersten Togo-Teil. Im zweiten geht es heißer zur Sache. Es gibt Voodoo, Schlangen, ein extrem peinliches Erlebnis und das Treffen zwischen 5 stinkenden schwitzenden Obronis und Miss Togo 2007. Also die Tage reinschauen uns lesen. Grüße soweit Mitch….

PS: Morgen lade ich grandiose Fotos aus dem tropischen Regenwald hoch, wo wir letztes Wochenende mitten im Wald geschlafen haben…

Montag, 17. September 2007

Cape Coast/Elmina 31.08.-02.09.2007

Der zweite große Wochenendausflug führte uns der Küste entlang nach Cape Coast und Elmina, zwei Städte, die leider besonders wegen ihrer gewaltigen Sklavenburgen bekannt sind. Cape Coast, die Bildungshauptstadt Ghanas hat eine Vielzahl von privaten Colleges und eine große Uni. Die Stadt hat circa 100.000 Einwohner, wirkt aber wie alle Städte hier viel größer, weil sich das Leben nicht wie bei uns hinter Fassaden und Wänden, sondern auf den Straßen abspielt und man überall unglaublich viele Menschen sieht. Die Fahrt nach Cape Coast war zwar nicht so ein Erlebnis wie die nach Kumasi, aber auch hier haben wir unglaubliche 4 Stunden gebraucht – und das bei nur 190 km Distanz. Es hat jedenfalls in den Bus reingeregnet und mein Sitz war so unglaublich wackelig, dass ich ständig von einer zur anderen Seite geschwankt bin. Sehr thrombose-gefährlich jedenfalls. In Cape Coast angekommen haben wir uns im Amkred Guesthouse mit 9 Leuten in 2 Doppelzimmer und ein Einzelzimmer gemütlich gemacht.

Diesmal dabei waren Dave (Los Angeles), Will (Vancouver), Mary (Ottawa), Daniela (Dresden), Andrea, Roslin und Everett (Edmonton), Quentin (Liege) und meine Wenigkeit. Beim ersten Rundgang durch die Stadt ist uns auch gleich der krasse Unterschied zu den beiden Metropolen des Landes Accra und Kumasi aufgefallen: Straßenkinder, Dreck überall, winzige Hütten mit 16-köpfigen Familien davorsitzend, teilweise unerträglicher Gestank und viel Bettelei – ABER – hier waren die Menschen noch freundlicher und hilfsbereiter als anderswo – und das soll schon was heißen.

Abends nach dem obligatorischen Gulder (das wahrscheinlich beste Bier Ghanas), haben wir uns dann noch müde auf den Weg zu einem Nachtclub mit Privatstrand gemacht. Sehr nett und leider teuer (seltsam, dass man nach ein paar Wochen schon aggressiv wird, wenn das Bier statt 0,80 Cent, plötzlich 2 Euro kosten soll). Es gab jedenfalls eine Tanzfläche unter Bambusdach am Strand und ich hab mich sehr gut mit Cesar, einem Balaphonspieler aus Burkina Faso unterhalten. Er versucht in Ghana ein bisschen Geld zu verdienen und es seiner Familie in Bobo-Dioulasso zukommen zu lassen. Ghana scheint das Luxemburg Westafrikas zu sein, so viele Menschen versuchen hier ihr Glück. Positiv ist, dass man als Westafrikaner kein Visum für die angrenzenden Länder braucht, man bekommt eine dreimonatige Aufenthaltsgenehmigung.

Am nächsten Morgen schüttete es dann zum allerersten Mal wirklich aus Eimern und es wurde so richtig schön ungemütlich. Auf der überschwemmten Dachterrasse des Nachbar-Hostels hatten wir dann ein dreistündiges und vor Allem übertrieben öliges Frühstück. Danach ging es im Nieselregen zum Weltkulturerbe Nummer 1 in Ghana, der ehemaligen Sklavenburg Cape Coast Castle, wo wir den kompletten Nachmittag verbrachten. Es war grausam die unterirdischen Verliese zu sehen, wo bis zu 1000 Sklaven gleichzeitig auf ihren Tod oder die Schiffe in den Westen warten mussten. In den Wänden waren überall noch Zeichen dessen zu sehen. Schwere Ketten, Kerben und Striche in Stein geritzt. Ganz furchtbar und durch das trübe Wetter noch deprimierender. Trotzdem waren die beiden Museen, das Gelände und die anschließende Führung wirklich sehr gut. Die dazugehörigen Fotos gibt’s auf meiner Picasa-Fotoseite, hier noch mal der Link http://picasaweb.google.de/unkenzucht. Während der Führung und der Besichtigung des Castles sind wir auch zweimal beschimpft worden: „Schämt ihr euch denn nicht für die Taten, die ihr unseren Vorfahren angetan habt?“ und „Hey weißer Mann, ihr solltet eigentlich jetzt als Wiedergutmachung hier unten eingesperrt werden“. Obwohl solche Beschuldigungen mich als 23-Jährigen nicht wirklich zu Recht treffen und auch nicht sonderlich taktvoll formuliert wurden, haben sie mich doch nachdenklich gemacht. Hab ich nicht auch noch von der Ausbeutung Afrikas profitiert. Eigentlich schon, denn die Arbeitskraft der ehemaligen Sklaven und der Raub der Bodenschätze des Kontinents haben Amerikaner und Europäer (also den weißen Mann) reich gemacht. Afrika und der schwarze Mann sind bis heute davon betroffen, ausgebeutet und weit hinter uns, trotzdem aber konfrontiert mit dem 21. Jahrhundert, in dem keine romantische Stammesgesellschaft mehr unbeeinflusst existieren kann.

Der Rest des Tages war dann mehr als absurd. Während unserer Besichtigung wurde Dave dann krank, ziemlich krank, sodass er alle 5 Minuten auf die ekelhafte Toilette rennen musste. Und da er sich eingebildet hat, dass er Fieber hat, wollte er auf Nummer sicher gehen und lieber einen Malariatest in einer Klinik machen lassen. Da ich so ein netter Zeitgenosse bin hab ich mich dann bereit erklärt mit ihm eine private Klinik zu suchen, da man von öffentlichen Krankenhäusern scherzhaft sagt, man gehe dort nur hin, um zu sterben. Nach halbstündiger Taxifahrt in zwielichtige Ecken sind wir dann endlich in einer angeblich privaten, ich bezweifle das aber stark, Klinik angekommen. An der Rezeption saß die dickste Krankenschwester, die ich jemals gesehen habe und guckte ganz gemütlich Big Brother Africa. Nachdem ich mich auf einen kaputten Stuhl gesetzt habe, fiel zum ersten Mal der Strom aus. Nach circa 10 Minuten in der Dunkelheit funktionierte plötzlich wieder alles. Das Witzige war, dass sich Frau Krankenschwester zuerst mit der erneuten Inbetriebnahme des Fernsehers beschäftigte, als sich um die Patienten zu kümmern. Dave hat jedenfalls gelitten, weil es ihm wirklich schlecht ging und er sich ständig übergeben musste und den absolut flotten Otto hatte. Zudem erschwerte der Umstand, dass Miss Nurse nur einige Brocken Englisch sprach, die Untersuchung nicht unerheblich. Kurz bevor der Strom zum zweiten Mal ausfiel sollte Dave dann zum Fiebermessen. Anstatt auf ihren Patienten Acht zu geben, der sich das fiese Thermometer sofort unter die Zunge schob, schaute sie wieder Big Brother Africa, dem TV-Hit auf dem ganzen Kontinent. Hätte sie Acht gegeben hätte sie früher sagen können, dass das Thermometer nicht für den Mund, sondern für die Achsel bestimmt gewesen wäre. Ich hab mir jedenfalls das Lachen verkneifen müssen. Der Arzt, zu dem Dave dann durfte war jedenfalls auch nicht besser. Ohne weitere Untersuchung hat er einfach behauptet David hätte Parasitenbefall und er verschrieb ihm ein sehr starkes Medikament, dass die komplette Darmflora abgetötet hätte. Unglaublich. Er hat es jedenfalls nicht genommen, was sehr klug war, ging es ihm doch zwei Stunden später schon viel besser. In der Zwischenzeit hatten die anderen jedenfalls nicht weniger Aufregendes zu tun. Im Gewusel des Festivals grapschte Unbekannter in Wills Brusttasche und stibitzte 50 neue Cedis (ungefähr 40 €). Was dann folgte war eine wilde Verfolgungsjagd durch Gässchen mit Will, Everett, Roslin und Andrea. Da aber Andrea zwei unglaublich süße Welpen entdeckte (kein Scherz!!!) stoppte sie kurzerhand mit Roslin und Everett und der Dieb entkam. Auf dem Polizeirevier passierte dann aber natürlich nichts außer 3-stündiger Wartezeit und so endete der abend gegen 22:00 mit einem sehr aggressiven Will und süßen Welpenfotos von Andrea.

Am nächsten Morgen brachen wir dann zum Elmina Castle auf, circa 25 km westlich von Cape Coast, dem ältesten europäischen Gebäude südlich der Sahara. Da hier das Wetter unglaublich schön war und der Palmenstrand Bacardi Feeling verbreitete kam, trotz grausamer Vergangenheit, nicht das gleiche Gefühl auf, wie am Vortag in Cape Coast. Als wir dann aber zu 20st in die Todeszelle gequetscht und für 5 Minuten eingesperrt wurden war es aber mit Bacardi Feeling vorbei. Auch hier wieder durchdringende Blicke auf uns Weiße. Seltsames Gefühl. Der Tag endete dann aber mit dem rapiden Gesundheitseinbruch von Daniela und Mary, weswegen die Heimfahrt für die beiden zur Tortur wurde. Durchfall und überfüllter Bus, der nicht stoppt wenn man muss, sind eben keine ideale Voraussetzung für eine spaßige Heimfahrt.

So weit so gut, bald gibt’s ein Update und neue Fotos vom Wochenende im Nachbarland Togo, das nicht weniger aufregend war. Hoffe ihr lest schön weiter und ich schreib mir die Finger nicht umsonst fusselig. Bis bald Michi.

Sonntag, 9. September 2007

Accra - Kumasi - Lake Bosumtwi - Accra (24.08.-27.08.07)

Was für ein Wochenende. Freitagmorgen ging es mit dem TroTro in Richtung STC-Station Accra, der zentralen Umsteigestation für Überlandfahrten mit großen Bussen. Die Strecke Kumasi-Accra, also die Verbindungsstraße zwischen Ghanas größten Städten ist zwar nur 290 km lang, aber hier dauerte das ganze 6 Stunden. Ich hatte das Vergnügen mit David, Jenny V und Andrew in der ersten Reihe sitzen zu dürfen und das war schon Abenteuer genug. Ganz nach dem Motto „Ich bin größer also brems du“ überholte der Busfahrer in allen Kurven, an unübersichtlichen Steigungen, überall, was zur ein oder anderen Schocksekunde bei uns, nicht aber bei ihm führte. Nach der dritten haarsträubenden Aktion hat sich unsere Angst aber in Unterhaltung umgewandelt. Trotzdem werde ich nicht noch mal in der ersten Reihe fahren.
Das Highlight der Fahrt war aber das Brotdorf, ein Dorf, oder eine Kleinstadt, in der wirklich alle Bewohner an der Straße standen und Weißbrot zu verkaufen hatten. Alle. Das sah so lustig aus, sodass wir das Dorf Breadville getauft haben und danach stundenlang schlechte Wortwitze gerissen haben. Kleine Kostprobe: Was ist das meistgelesenste Buch in Breadville? The Great Breadsby! Oder: Was ist Breadvilles Lieblingsfilm: Alien vs. Breadetor. Haha, es ging weiter mit Bread Pitt oder Breadney Spears, den Rest kann man sich vorstellen, hab jedenfalls selten so gelacht.

In Kumasi angekommen mussten wir dann wirklich die komplette Stadt nach Guesthouses abklappern, bis wir schließlich eins gefunden hatten. Kumasi ist Ghanas zweitgrößte Stadt mit schätzungsweise 1,5 Millionen Einwohnern und man sagt es ist die heimliche und vor Allen kulturelle Hauptstadt des Landes. Es ist außerdem die Hauptstadt des Ashanti-Reiches und deshalb der Sitz des Ashanti-Königs, der auch heute noch eine große Rolle im politischen Alltag Ghanas spielt. Die Menschen dort waren auf jeden Fall freundlicher und gelassender als die hektischen Accraer. Wir sind natürlich sofort auf den Kejtija-Markt gegangen, den mit Abstand größten Markt Westafrikas und einem der größten des Kontinents. Er ist unglaublich groß, größer als 15 Fußballfelder. Die Ashanti sagen, dass man hier alles kaufen kann, mit Ausnahme von Flugzeugen und Öltankern. Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis gewesen sich in das unglaubliche Gewusel von Menschen und Waren zu bewegen. Es wurde geschubst, gedrängelt, gegrapscht, geschrien, nach einer halben Stunde hatten wir genug. Stattdessen ging es in National Cultural Centre, ins kleine aber äußerst interessante Ashanti-Museum. Danach gab es eine kostenlose Tanzperformance zur ghanaisch-indischen Kulturwoche. Die afrikanischen Rhythmen waren äußerst genial (siehe Fotos von Kumasi), die indische 2-stündige Kreischeinlage war aber kaum zu ertragen. Die Tänzerin hat ihren Tanz ständog abgebrochen, weil sie unzufrieden war und hat dann ins Publikum geschrieen, dass es eigentlich anders aussehen sollte und der Takt „Ka-Chi-Ka-Ka-Chi-Ka-Chi-Ka-Ka-Chi“ ist. Schrecklich. Danach haben wir uns im hippen Funkies zu Livemusik betrunken und haben super Schüttelfotos gemacht. Spezialalbum mit Schüttelfotos folgt.

Nach nur 1 Tag hatten wir dann aber schon genug vom quirligen Kumasi, besonders wenn man vorher 3 Wochen im noch quirligeren Accra unterwegs war und es zog uns in Richtung Natur pur, zu Ghanas größtem natürlichen See - dem Lake Bosumtwi. Das ging mit einstündiger TroTro-Fahrt nach Kuntanase und anschließender einstündiger Taxifahrt zum Geheimtipp-Guesthouse am Seeufer, dem Rainbow Garden Village, total ab vom Schuss aber ein unglaubliches Paradies. Steffen aus Freiburg hat es vor zwei Jahren aus dem Nichts geplant und gebaut und wohnt jetzt mit Belinda, seiner Frau, dort. Es gibt 12 Zimmer, eine Bar, ein Volleyballfeld am Wasser, Tischtennis und Erholung pur. Es war wirklich traumhaft und für 6 Euro pro Nacht - wow! Schwimmen waren wir auch, das Wasser ist glasklar und es gibt weder Bilharziose, noch Krokodile. Abends haben wir mit zwei Einheimischen ein großes Feuer gemacht, haben getrommelt und ein Rastafari hat Geschichten erzählt bis in die Nacht.Der See ist fast kreisrund und hat einen Durchmesser von 10 km. Umgeben von 400 m hohen Bergen und mit tropischen Pflanzen übersät gab es natürlich auch jede Menge Getier und Gewürm. Und wie es der Zufall so wollte haben sich kurz vor der Nachtruhe zwei riesige Spinnen über meinem Bett gemütlich gemacht, von denen Belinda behauptete, sie seien giftig. Die Spinnen waren jedenfalls um ein vielfaches größer, als alles was ich bisher gesehen habe. Andrew hat ein Foto mit seiner Hand als Vergleich gemacht, das lade ich noch hoch. Hab jedenfalls eine nicht so gute Nacht gehabt, oben im Hochbett liegend mit 20-cm Abstand zur Decke und undichtem, löchrigem Dach. Aber habe es Gott sei Dank ueberlebt. Wir werden aber trotzdem nochmal dorthin fahren und das ganze Resort fuer uns reservieren. Das wird bestimmt toll...so das wars nochmal von mir, die Tage gibts nochmal ein Uni-Update Neues vom Chaos-Wochenende in Cape Coast und Elmina. So long, machts gut...